Anleitung

F2 EcoHull reparieren: Vom oberflächlichen Kratzer bis zum Substratschaden

F2 EcoHull reparieren: Vom oberflächlichen Kratzer bis zum Substratschaden

Das Wichtigste vorab:

F2 EcoHull ist reparierbar. Die meisten Schäden lassen sich einfach mit dem F2 EcoHull Repair Kit beheben. Die Reparatur folgt exakt dem Schichtaufbau des Originalsystems. Jede Lage wird etwas größer aufgetragen als die darunter, damit keine sichtbaren Kanten entstehen.

Wichtig: Schäden an der Beschichtung sind grundsätzlich nicht dramatisch. Wasser kann an einer beschädigten Stelle nicht unter die intakte Beschichtung dringen. Die Auswirkung bleibt punktuell auf die Schadensstelle begrenzt.

Nur an Land reparieren

Eine Reparatur unter Wasser ist nicht möglich. Die Beschichtung benötigt eine vollständig trockene Oberfläche.

Schadensdiagnose in drei Stufen

Bevor du Material besorgst, identifiziere die Schadensstufe. Davon hängt ab, welche Komponenten du brauchst.

Stufe Was du siehst Was zu tun ist
Stufe 1 Top Coat lokal beschädigt. Farbe noch durchgehend zu sehen. Stelle wirkt nur matter oder rauer als die Umgebung. Klein (< 5×5 cm): nur Top Coat. Groß (≥ 5×5 cm): Adhesive Coat plus Top Coat.
Stufe 2 Adhesive Coat durchdrungen. Darunterliegender Primer sichtbar. Anschleifen, Adhesive Coat, Top Coat.
Stufe 3 Bis zum nackten Rumpf. Gelcoat, blankes Aluminium, Stahl, Holz erkennbar. Substrat prüfen, 2K Epoxy Sperrschicht in mehreren Lagen, Adhesive Coat, Top Coat.
Die 5×5-cm-Regel

Bei Stufe-1-Schäden unter 5×5 cm reicht eine punktuelle Top-Coat-Reparatur. Ab 5×5 cm Fläche ist es empfohlen, zusätzlich den Adhesive Coat mit aufzufrischen. So bleibt die Schichtdicke garantiert erhalten.

Wie lange dauert die Reparatur

Die reine Arbeitszeit an der Schadstelle ist kurz, meist nur Minuten. Was die Reparatur in die Länge zieht, sind die Wartezeiten zwischen den Schichten, in denen du nichts tun kannst. Plane deshalb nach den Pausen, nicht nach der Arbeitszeit.

Schadensstufe Aktive Arbeit Wartezeiten dazwischen
Stufe 1A (nur Top Coat) Wenige Minuten 4–6 h bis grifffest, dann einwassern. In Summe ein halber Tag, fast nur Trocknen.
Stufe 1B und Stufe 2 (Adhesive plus Top Coat) Je Schicht wenige Minuten Zwischen den Schichten je mind. 4 h grifffest, danach 4–6 h bis einwassern. In Summe rund ein Arbeitstag mit Pausen.
Stufe 3 (bis Substrat, mit Sperrschicht-Primer) Überschaubar Primer-Aushärtung, bei lösungsmittelhaltigem Primer mind. 7 Tage Auslüften vor dem Adhesive Coat. In Summe mehrere Tage bis über eine Woche.

Was du brauchst

F2 EcoHull Repair Kit

  • F2 EcoHull Adhesive Coat, 100 ml Stufe 1 groß, 2, 3

  • F2 EcoHull Top Coat, 100 ml alle Stufen

  • F2 Degreasing Solution alle Stufen
Ergiebigkeit Repair Kit

Bei einer Ergiebigkeit von 10 m²/L reicht jede 100-ml-Dose für etwa 1 m² Reparaturfläche. Das deckt deutlich mehr ab, als die meisten Schäden ausmachen. Repair Kit kaufen →

Zusätzlich bei Stufe 3 (nicht im Repair Kit)

  • 2K Epoxy Sperrschicht-Primer. Kleinstes F2 EcoPrimer-Gebinde: 0,5 L. Alternativ Hempel High Protect II oder vergleichbar.
Werkzeug und Schutz

  • Schleifpapier P180–P220 

  • Mischbecher (für Stufe 3 mit 2K Primer)

  • Kleine Schaumstoffrollen oder feine Pinsel

  • Eimer, Schwamm oder Bürste

  • Handschuhe, Brille, Schutzanzug. Maske empfohlen.

Umgebungsbedingungen

Umgebung
Parameter Anforderung
Lufttemperatur > 10 °C
Oberflächentemperatur Mind. 3 °C über Taupunkt, Kondensation vermeiden
Luftfeuchtigkeit < 90 %
Arbeitsbereich Nicht in der Nähe schleifen oder polieren
Wichtig

Die Reparaturstelle muss vor dem Auftrag vollständig trocken sein. Restfeuchte unter der neuen Beschichtung führt zu Haftungsproblemen.

Das Prinzip jeder Reparatur

Zwei Dinge entscheiden darüber, ob die Reparatur am Ende sauber und unauffällig wird. Sie gelten für jede Reparatur, bei der angeschliffen wird, also sobald mehr als ein dünner Top-Coat-Tupfer nötig ist (Stufe 1B, Stufe 2 und Stufe 3).

Auslaufend anschleifen

Schleife den Rand der Schadstelle flach auslaufend an. Bleibt eine senkrechte Kante stehen, setzt sich die neue Beschichtung als Stufe ab, die man sieht und fühlt. Läuft der Rand dagegen flach aus, geht die Reparatur unauffällig in die alte Beschichtung über.

Praktisch heißt das: Beim Mattschleifen mit P180–P220 nicht nur die Schadstelle bearbeiten, sondern auch ein paar Zentimeter rundherum in die intakte Beschichtung hinein, und den Übergang dünn auslaufen lassen.

Schicht für Schicht größer auftragen

Trage beim Wiederaufbau jede Lage etwas größer auf als die darunterliegende. Falls nötig zuerst den Primer, dann den Adhesive Coat ein Stück größer, dann den Top Coat als größte Lage. So liegt jede neue Schicht rundum auf festem, angeschliffenem Material auf, und es entsteht keine Kante.

Merksatz

Erst flach auslaufend anschleifen, dann von innen nach außen Schicht für Schicht größer streichen. Der Top Coat ist immer die größte und letzte Lage.

Stufe 1

Top Coat zerkratzt

Erkennbar daran: Die Stelle wirkt matter oder rauer als die Umgebung und hat weniger Fouling-Release-Effekt, aber die Farbe des Adhesive Coats ist noch durchgehend sichtbar.

Variante A: Schaden unter 5×5 cm

Nur Top Coat erneuern. Hier wird nicht angeschliffen, die Stelle wird nur gereinigt und neu überstrichen.

1 Stelle reinigen mit F2 Degreasing Solution
F2 Degreasing Solution 1:10 mit Frischwasser verdünnen (1 Teil Reiniger, 10 Teile Wasser). Die Schadstelle großzügig über den Rand hinaus mit Schwamm oder Bürste reinigen, dann mit Frischwasser nachspülen. 
2 Vollständig trocknen lassen
Warten, bis die Stelle weder feucht aussieht noch sich feucht anfühlt. Restfeuchte unter der neuen Schicht ist die häufigste Ursache für Haftungsprobleme. Im Zweifel lieber länger warten.
3 Top Coat gründlich aufrühren
Die Dose vor dem Auftragen gründlich aufrühren, bis die Masse gleichmäßig ist. Nicht verdünnen, der Top Coat wird unverdünnt verarbeitet.
4 Top Coat auftragen
Mit Pinsel oder kleiner Schaumstoffrolle gleichmäßig und gut deckend auftragen. Etwa 2 cm in den intakten Top Coat hinein überlappen. Nicht zu dünn auftragen, sonst entsteht kein geschlossener Film und die Fouling-Release-Wirkung leidet.
5 Grifffest abwarten, dann einwassern
Der Top Coat ist bei 20 °C nach 4–6 Stunden grifffest. Dann kann das Boot zurück ins Wasser. Auf die frisch reparierte Stelle keinen Druck (durch Krangurte, Trailerpads, etc) ausüben.

Variante B: Schaden ab 5×5 cm

Bei größeren Flächen lieber Adhesive Coat mit auffrischen. So bleiben Schichtdicke und damit die Performance erhalten.

1 Schadbereich auslaufend anschleifen
Mit P180–P220 mattschleifen, auch 2–3 cm rundherum in die intakte Beschichtung hinein. Den Rand flach auslaufend anschleifen, keine senkrechte Kante stehen lassen. 
2 Reinigen und trocknen lassen
F2 Degreasing Solution 1:10 mit Frischwasser verdünnen, den Arbeitsbereich mit Schwamm oder Bürste gründlich reinigen, mit Frischwasser spülen und vollständig trocknen lassen.
3 Adhesive Coat auftragen
Die Dose mindestens 2 Minuten gründlich aufrühren, sonst bleiben Pigmente am Boden und die Stelle weicht farblich ab. Nicht verdünnen. Etwa 2 cm über den angeschliffenen Bereich hinaus auftragen.
4 Mindestens 4 Stunden warten
Der Adhesive Coat muss grifffest sein, bei 20 °C nach etwa 4 Stunden. Ein maximales Zeitfenster nach oben gibt es nicht. Du kannst den Top Coat also auch später auftragen, solange die Fläche sauber, trocken und staubfrei bleibt.
5 Top Coat auftragen, etwas größer als der Adhesive Coat
Gründlich aufrühren, nicht verdünnen. Etwa 2 cm über den Rand des Adhesive Coats hinaus auftragen, damit jede Lage etwas größer ist als die darunter (Schicht für Schicht größer).
6 Grifffest abwarten, dann einwassern
Nach 4–6 Stunden bei 20 °C ist der Top Coat grifffest. Boot zurück ins Wasser, kein Druck auf die frisch reparierte Stelle.
Stufe 2

Bis zum Primer durchgedrungen

Erkennbar daran: An der Schadstelle ist die Farbe des Adhesive Coats weg. Du siehst die Farbe des darunterliegenden Primers durchschimmern.

1 Lose Beschichtung entfernen
Alles, was nicht mehr fest haftet oder sich abhebt, mit Spachtel oder Schaber entfernen. Es soll nur fest haftende Beschichtung stehen bleiben.
2 Schadbereich auslaufend anschleifen
Mit P180–P220 mattschleifen, auch 2–3 cm rundherum in den intakten Top Coat hinein, den Rand flach auslaufend. So entsteht ein sauberer Übergang ohne Kante.
3 Reinigen mit F2 Degreasing Solution
1:10 mit Frischwasser verdünnen, den Arbeitsbereich mit Schwamm oder Bürste gründlich reinigen und mit Frischwasser spülen.
4 Vollständig trocknen lassen
Warten, bis keine Restfeuchte mehr sichtbar oder fühlbar ist. Feuchtigkeit unter der Beschichtung führt zu Ablösung.
5 Adhesive Coat auftragen, etwas größer als der Schaden
Dose mindestens 2 Minuten gründlich aufrühren. Nicht verdünnen. Etwa 2 cm in den angeschliffenen Top Coat hinein überlappen.
6 Mindestens 4 Stunden warten
Der Adhesive Coat muss grifffest sein (bei 20 °C ca. 4 Stunden). Kein maximales Überarbeitungsintervall.
7 Top Coat auftragen, nochmal etwas größer
Top Coat gründlich aufrühren, nicht verdünnen. Etwa 2 cm größer als die Adhesive-Coat-Fläche auftragen, damit jede Lage größer ist als die darunter. 
8 Grifffest abwarten, dann einwassern
Nach 4–6 Stunden grifffest. Boot zurück ins Wasser, kein Druck auf die frisch reparierten Stellen.
Stufe 3

Bis zum Substrat

Erkennbar daran: Du siehst den nackten Rumpf. Gelcoat, Aluminium, Stahl (mit Rost) oder Holz sind erkennbar.

Substrat zuerst prüfen

Schäden bis zum Substrat können auch strukturelle Probleme verursacht haben. Vor jeder Beschichtungsreparatur prüfen: Gibt es Risse, Beulen oder weiche Stellen im Rumpf? Bei Aluminium oder Stahl: Korrosion? Bei Holz: aufgequollene Fasern oder Feuchtigkeit? Im Zweifel Werft konsultieren. Erst wenn das Substrat strukturell intakt ist, mit der Reparatur fortfahren.

1 Lose Beschichtung entfernen
Alles abkratzen, was nicht fest haftet. Den Schadbereich klar abgrenzen.
2 Substrat und Umgebung auslaufend anschleifen
Mit P180–P220 mattschleifen, auch 5 cm rundherum in die intakte Beschichtung hinein, den Rand flach auslaufend. Bei Metall den Rost vollständig entfernen, bis blankes, festes Material zu sehen ist.
3 Reinigen und trocknen lassen
F2 Degreasing Solution 1:10 mit Frischwasser verdünnen, den Arbeitsbereich mit Schwamm oder Bürste gründlich säubern, spülen und vollständig trocknen lassen.
4 2K Epoxy Sperrschicht in mehreren Lagen auftragen
Den Sperrschicht-Primer exakt nach Herstellervorgabe anmischen. Mischverhältnis und Verarbeitung stehen auf dessen Datenblatt. In mehreren Lagen auftragen, das sorgt für Osmose- bzw. Korrosionsschutz. Etwas größer als die angeschliffene Fläche.
5 Wartezeit je nach Primer-Typ einhalten
Siehe Tabelle unten. Lösungsmittelfreie Primer: innerhalb von 24 Stunden weiterarbeiten. Lösungsmittelhaltige Primer: mindestens 7 Tage auslüften lassen, danach anschleifen und erst dann weiter.
6 Adhesive Coat auftragen, etwas größer als der Primer
Dose mindestens 2 Minuten gründlich aufrühren, nicht verdünnen. Etwa 2 cm größer als die Primer-Fläche auftragen.
7 Mindestens 4 Stunden warten
Der Adhesive Coat muss grifffest sein (bei 20 °C ca. 4 Stunden).
8 Top Coat auftragen, nochmal etwas größer
Dose gründlich aufrühren, nicht verdünnen. Etwa 2 cm größer als die Adhesive-Coat-Fläche auftragen.
9 Grifffest abwarten, dann einwassern
Nach 4–6 Stunden grifffest. Boot zurück ins Wasser, kein Druck auf die frisch reparierten Stellen.

Wahl des 2K Epoxy Sperrschicht-Primers

Primer-Typ Vorgehen vor Adhesive Coat
Lösungsmittelfrei (F2 EcoPrimer, Hempel High Protect II oder vergleichbar) Mehrere Lagen, binnen 24 h mit Adhesive Coat überarbeiten. Wenn überschritten: erneut mit P180 anschleifen und reinigen.
Lösungsmittelhaltig Mehrere Lagen, mindestens 7 Tage bei 20 °C auslüften lassen (Lösungsmittel müssen vollständig entweichen). Danach mit P180 anschleifen und reinigen, dann Adhesive Coat.

Einwassern nach der Reparatur

Anders als nach einem kompletten Neuauftrag musst du nach einer Punktreparatur in der Regel keine 36 Stunden bis zum Kranen warten. Das gilt, solange die reparierte Stelle nicht im Krangurt-Bereich liegt und beim Slippen keine mechanische Last abbekommt. Liegt sie doch im Gurtbereich, gelten die 36 Stunden wie beim Erstauftrag (siehe F2 EcoHull Anleitung).

Situation Wartezeit bis Einwassern
Punktreparatur außerhalb des Krangurt-Bereichs Sobald Top Coat grifffest (4–6 h bei 20 °C)
Reparaturstelle liegt im Krangurt-Bereich Mindestens 36 h wie beim Erstauftrag
Aushärtung im Wasser

Wie beim Erstauftrag erreicht die Reparaturstelle ihre volle Aushärtung erst nach 8–12 Wochen im Wasser. Mechanische Belastung und Hochdruckreinigung in den ersten Wochen vermeiden.

Häufige Fehler

Fehler Folge
Stelle nicht vollständig trocken Haftungsverlust, Beschichtung löst sich nach Tagen oder Wochen
Zu dünn aufgetragen Kein geschlossener Film, Performance reduziert
Senkrechte Kante stehen gelassen, nicht auslaufend angeschliffen Sicht- und fühlbare Stufe, die neue Schicht hebt sich ab
Schichten gleich groß aufgetragen Sichtbare Kante zwischen alt und neu
Farbe nicht komplett deckend Adhesive Coat nicht genug aufgerührt, Pigmente am Dosenboden, Farbabweichung an der Reparaturstelle
EcoPrimer-24h-Fenster verpasst (bei Stufe 3 mit F2 EcoPrimer) Adhesive Coat haftet schlecht, neu anschleifen erforderlich
Reinigung mit Lösungsmittel statt Degreasing Solution Haftungsprobleme wahrscheinlich

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